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Servant Leadership: Was dienende Führung im Service bedeutet

Definition

Servant Leadership, auf Deutsch dienende Führung, ist eine Führungsphilosophie, die die Führungskraft vor allem als Dienende ihres Teams versteht. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Mitarbeitenden zu unterstützen und ihre Entwicklung zu fördern, statt Macht und Kontrolle auszuüben.

Bei der dienenden Führung stehen das Wohlergehen, das Wachstum und die Entwicklung der Teammitglieder an erster Stelle. Führungskräfte geben Orientierung, Unterstützung und Ressourcen, damit ihr Team erfolgreich sein und seine Ziele erreichen kann.

Mitarbeitende sind auch Kunden

Im Service ist dieser Gedanke besonders naheliegend. Kundenorientierte Führung bedeutet, sich selbst und die Mitarbeitenden als Kunden und als Dienstleister zugleich zu verstehen. Die Standards einer kundenorientierten Kommunikation und Servicequalität gelten dann auch im Miteinander.

Was das heißt, zeigt eine einfache Gegenüberstellung: Der Kunde bekommt seinen Rückruf innerhalb einer Stunde. Die Kollegin wartet drei Wochen auf eine Antwort zu ihrem Urlaubsantrag. Beides ist eine Anfrage an einen Dienstleister, und beide Male entsteht ein Eindruck von Servicequalität.

Kunde = Mitarbeitende. Wer als Führungskraft kundenorientiert führt, behandelt Anliegen aus dem Team mit derselben Sorgfalt wie Anliegen von Kunden.

Diese innere Perspektive ist eine der Sichtweisen auf Servicequalität, die wir im Artikel Serviceperspektiven beschreiben. Wie Mitarbeitende Führung und Zusammenarbeit erleben, macht eine Teambefragung sichtbar.

Woher die Idee kommt

Das Konzept hat Robert K. Greenleaf in den 1970er Jahren bekannt gemacht, zuerst in seinem Essay „The Servant as Leader“ von 1970. Seine Kernaussage: Die besten Führungskräfte verstehen sich als Dienende, und Führung ist ein Mittel, um anderen zu dienen und zum Gemeinwohl beizutragen.

Als Prüfstein für gute Führung schlug Greenleaf eine einfache Frage vor: Wachsen die Menschen, denen gedient wird? Werden sie gesünder, klüger, freier und selbstständiger?

Larry Spears hat Greenleafs Gedanken später in zehn Merkmalen zusammengefasst: Zuhören, Empathie, Heilen, Bewusstsein, Überzeugungskraft, Konzeptdenken, Voraussicht, Verantwortung als Verwalter, Engagement für das Wachstum anderer und Gemeinschaft bilden.

Sechs Prinzipien dienender Führung

PrinzipWas es bedeutetIm Service-Alltag
DienstDie Führungskraft konzentriert sich auf die Bedürfnisse anderer. Sie hört aktiv zu und reagiert auf Anliegen.Anfragen aus dem Team werden so verbindlich beantwortet wie Kundenanfragen.
EmpathieDie Erfahrungen und Perspektiven anderer verstehen und den Führungsansatz daran anpassen.Wissen, was das 1st-Level-Team nach einem Störungstag braucht, bevor es danach fragt.
ZusammenarbeitEin Umfeld, in dem der Beitrag aller geschätzt wird, mit offener Kommunikation und Austausch von Ideen.Service, Entwicklung und Vertrieb lösen Kundenprobleme gemeinsam statt nacheinander.
Wachstum und EntwicklungSich für die persönliche und berufliche Entwicklung der Teammitglieder einsetzen, mit Mentoring, Coaching und Weiterbildung.Gezielte Trainings entlang der Servicemuskeln statt Weiterbildung nach dem Gießkannenprinzip.
Ethisches VerhaltenVorbild sein für Ehrlichkeit, Transparenz und Fairness.Offen sagen, was entschieden ist und warum, auch wenn es unbequem ist.
ErmächtigungAutonomie, Entscheidungsbefugnis und die nötigen Ressourcen geben.Mitarbeitende dürfen Kulanz bis zu einem festgelegten Rahmen selbst entscheiden.

Die Entwicklung der Mitarbeitenden lässt sich gezielt planen, wenn klar ist, welche Fähigkeiten eine Rolle braucht. Dafür nutzen wir die Servicemuskeln.

Dienen heißt nicht nachgeben

Ein häufiges Missverständnis: Dienende Führung sei weich, und die Führungskraft erfülle jeden Wunsch. Gemeint ist das Gegenteil. Dienende Führung setzt klare Erwartungen und sorgt dafür, dass das Team sie erfüllen kann.

Ein gern zitiertes Beispiel ist der Polarforscher Ernest Shackleton. In der Darstellung seiner Führungskunst wird hervorgehoben, dass jeder Mann an Bord genau wusste, was von ihm erwartet wurde, und dass Shackletons Autorität auf Achtung und Respekt gegenüber seinen Leuten beruhte, nicht auf seiner Position.

Vom „Warum“ zu gemeinsamen Leitsätzen

Dienende Führung braucht ein gemeinsames Verständnis, wofür das Team arbeitet. Simon Sinek beschreibt das mit dem Golden Circle: erst das Warum, dann das Wie, dann das Was. Ist das Warum klar, können alle im Team Entscheidungen treffen, die zur gemeinsamen Richtung passen.

In der Praxis hat sich bewährt, das in Führungsleitsätze zu übersetzen. Ein wirksamer Weg: Das Führungsteam versetzt sich in die Zukunft und beschreibt in der Gegenwartsform, was erreicht ist. Daraus entstehen kurze Sätze in der Wir-Form, etwa „Wir sagen, was wir brauchen.“ oder „Wir finden Lösungen.“

Drei Werkzeuge für den Alltag

Change-Kurve

Veränderung löst Verunsicherung und Widerstand aus, bevor sie angenommen wird. Wer das weiß, gibt dem Team Zeit. Das Herz braucht länger als der Verstand.

RACI-Matrix

Für jede Aufgabe ist klar, wer sie ausführt, wer das Ergebnis verantwortet, wer gefragt und wer informiert wird. Das beantwortet auch die Frage, wer den Urlaubsantrag unterschreibt.

Zum Glossar →

Zuhören statt bewerten

Bewerten, belehren, befehlen beendet Gespräche. Zuhören und nach Bedürfnissen fragen öffnet sie, gerade bei Einwänden.

Häufige Fragen

Servant Leadership, auf Deutsch dienende Führung, ist eine Führungsphilosophie, in der die Führungskraft ihr Team unterstützt und seine Entwicklung fördert, statt Macht und Kontrolle auszuüben. Bekannt gemacht hat sie Robert K. Greenleaf in den 1970er Jahren.

Kundenorientierte Führung versteht Mitarbeitende als Kunden der Führung. Die Standards, die gegenüber Kunden gelten, gelten dann auch im Miteinander: Verbindlichkeit, Erreichbarkeit, klare Kommunikation.

Ja. Dienende Führung setzt Ziele und sorgt dafür, dass das Team sie erreichen kann. Kennzahlen zeigen dabei, wo das Team Unterstützung braucht.

Beim gemeinsamen Verständnis im Führungsteam: Warum wollen wir führen, wie wir führen? Daraus entstehen Leitsätze, an denen sich die Führung messen lassen kann.

So unterstützen wir Sie

Workshop Servant Leadership

Zwei Workshoptage für Ihr Führungsteam: dienende Führung verstehen und eigene Führungsleitsätze erarbeiten.

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Teambefragung

Wie erleben Ihre Mitarbeitenden Führung und Zusammenarbeit? Die Befragung macht es sichtbar.

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Gewaltfreie Kommunikation

Wertschätzend sprechen und zuhören, auch wenn das Gespräch schwierig wird.

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Portrait Martin Lange, Spezialist für Servicekultur und Kundenorientierte Kommunikation, GfK
Martin Lange
Trainer und Berater mit Schwerpunkt Serviceführung und gewaltfreie Kommunikation und einem Faible für Projektmanagement