A fool with a tool is a faster fool: Was ich 1994 über Werkzeuge gelernt habe, und warum es bei KI wieder gilt
Neulich habe ich über alte Zeiten nachgedacht und musste schmunzeln. Denn vieles, was wir heute bei KI erleben, habe ich vor über 30 Jahren schon einmal erlebt. Nur langsamer.
Anfang der Neunziger war ich in einem Berliner Unternehmen in der IT-Abteilung, in der Anwendungsentwicklung. Ich war zuständig für die Software der Warenwirtschaft und der Kassensysteme. Für die Neuentwicklung der Warenwirtschaft setzten wir ein Werkzeug von KnowledgeWare ein, ein sogenanntes CASE-Tool, kurz für Computer-Aided Software Engineering.
Das Prinzip: Ich habe den Workflow beschrieben und die Entitäten festgelegt, also die Dinge, um die es in der Anwendung geht. Das Werkzeug hat daraus den Programmcode erzeugt. Im Arbeitsgebrauch sprachen wir von sogenannter 4GL-Sprache.
Klingt vertraut? Genau das macht KI heute, nur in Sekunden statt in Tagen. Für mich war das damals schon so etwas wie die Vorstufe zur KI. Ohne das wirklich so benennen zu können.
Vom Code zum Menschen
In den Workshops haben mich die Consultants von KnowledgeWare beobachtet. Offenbar habe ich mich mit dem Werkzeug ganz gut angestellt. Jedenfalls fragten sie mich, ob ich Lust hätte, zu KnowledgeWare zu wechseln, an den Standort Stuttgart und in den Support.
Die Frage kam genau richtig. In der Anwendungsentwicklung hatte ich gemerkt: Logisches Denken, Strukturieren und Analysieren liegt mir. Was mir allein am PC gefehlt hat, waren die Menschen. Im Support kam beides zusammen, IT und Mensch.
Ich habe ja gesagt und bin 1994 zu KnowledgeWare nach Stuttgart gegangen. Lange war ich dort nicht: Das Unternehmen wurde noch im selben Jahr verkauft, und der Standort in Deutschland wurde geschlossen. Aber es war mein Einstieg in die Welt des Software-Supports, und dabei bin ich bis heute geblieben.
Ich kenne die Softwarewelt also von beiden Seiten: von der Entwicklung und vom Support, der Kunden bei der Nutzung begleitet. Das prägt bis heute, wie ich auf Werkzeuge schaue.
Der Satz, der mir erst jetzt wieder begegnet ist
Beim Recherchieren bin ich auf etwas gestoßen, das mir damals gar nicht bewusst war. Fran Tarkenton, der KnowledgeWare geführt hat, wird ein Satz zugeschrieben, der heute aktueller ist denn je:
A fool with a tool is a faster fool.
Ein Narr mit Werkzeug ist ein schnellerer Narr. Das habe ich im Support damals jeden Tag gesehen. Das Werkzeug war gut. Aber wenn der Workflow unklar beschrieben war, hat es eben unklaren Code erzeugt, nur schneller und mit mehr Überzeugung.
Was das für KI bedeutet
Bei KI ist es genauso, nur mit viel mehr Tempo. Wer keinen klaren Prozess hat, bekommt das Chaos schneller. Wer nicht weiß, was er will, bekommt sehr schnell sehr viel von etwas, das er nicht braucht.
Deshalb sagen wir heute: erst standardisieren, dann digitalisieren, dann automatisieren. Das ist keine neue Erkenntnis. Ich habe sie 1994 nur anders gelernt.
Neugierig bleiben, aber mit Struktur
KI kann uns heute schon enorm unterstützen, auch im Service. Aber nicht alles daran ist neu. Und gerade deshalb lohnt es sich, ihr eine echte Chance zu geben, und sich strukturiert damit zu beschäftigen statt einfach loszulegen.
Das Werkzeug macht uns schneller. Ob wir dabei klüger werden, liegt immer noch bei uns.
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